Darum verwenden wir Rapsöl

Gutes Omega 3 zu Omega 6 Verhältnis

Rapsöl enthält neben Omega 3-Fettsäuren auch Omega 6-Fettsäuren, jedoch ist im Falle vom verwendeten Rapsöl der Sorte Canola ein für die menschliche Ernährung nahezu perfektes Fettsäurespektrum gegeben, das neben einem hohen Ölsäuregehalt und wenigen gesättigten Fettsäuren ein optimales Verhältnis von Omega 3(als ALA) zu Omega 6(als LA) von 1:2 mitbringt, das in dieser Form sogar Hanföl und was das gesamte Fettsäurespektrum betrifft auch dem Lein- oder Chiaöl vorzuziehen ist. Es ist richtig, dass die Omega 3 Fettsäuren aus Raps bzw. Canola genauso wie bei Lein- oder Chiaöl nur zu einem geringen Anteil (durchschnittlich zwischen 5-8%; in manchen Untersuchungen kleiner 1%; höher bei menopausalen Frauen) in EPA und in noch geringerem Maße (vermutlich 0,1-0,5%; in manchen Untersuchungen sogar bei 2-4%; höher bei menopausalen Frauen) in DHA umgewandelt werden. Bei Frauen im gebärfähigen Alter legt die Datenlage allerdings nahe, dass die Eigensynthese von EPA und DHA aus ALA bei 21% respektive 9% liegen kann. Dass zeigt bereits, dass die Zahlen aus verschiedenen unabhängigen Studien noch keine klaren Aussagen zur wahren Konversionsrate zulassen.(1)

 

Bei Vegetariern und Veganern ohne externe Zufuhr an EPA und DHA kann zudem die körpereigene Konversionsrate von EPA anscheinend hochreguliert werden, wobei mit einer Zufuhr von 30 g geschroteten Leinsamen/10 g Leinöl(ALA) selbst bei niedrigster Konversionsrate mit 250 mg genug EPA gebildet würde und mit einem Auge auf alle weiteren wichtigen Faktoren (Alter, Geschlecht, Genetik, Gesundheitszustand, Genussmittelkonsum, Stress, Fettsäurenzufuhr(an sich und v.a. Gesamt-ALA:LA), Nährstoffversorgung, Kalorienzufuhr) es potentiell sogar möglich wäre, genug DHA  endogen zu synthetisieren. Hierfür braucht es aber noch mehr Forschung und somit ist die Supplementation mit EPA und DHA dem Status Quo nach als Prophylaxe statt als absolute Aussage zu sehen. Wichtig ist, dass das Verhältnis von ALA zu LA 1:5 nicht übersteigt und die gesamten Gesundheitsfaktoren ausreichend beachtet werden, wobei man damit bei der Durchschnittsbevölkerung (Verhältnis von ALA zu LA 1:15-20; oft suboptimaler Gesundheitszustand) leider nicht rechnen kann.(ebd.)

Vor dem Hintergrund, dass dieses schlechte Verhältnis vermutlich durch den erhöhten Konsum von bspw. Ölen wie Sonnenblumenöl, Sojaöl oder Erdnussöl zustande kommt (ALA zu LA 1:311, 1:10, 1:26),(ebd.) ist die Inklusion eines Rapsöls der Sorte Canola als ein positiver Schritt hin zu einer gesünderen Ernährung zu werten. Gerade, wenn die o.g. Öle durch Rapsöl ersetzt werden, gilt es wissenschaftlich als gesichert, dass hierdurch vergleichsweise gesundheitlich positive Wirkungen bzw. Verbesserungen gesundheitlich relevanter Marker, wie den Blutfettwerten, verschiedenen Cholesterinwerten oder der Insulinsensitivität eintreten.(2) Zusätzlich ist der Effekt des Rapsöls der Sorte Canola in den vly Produkten aufgrund der insgesamt geringen Menge der Fettgehalte der verschiedenen Sorten Barista, Original und Ungesüßt (Fettgehalt 3,1 g/2,9 g Rapsöl/100 ml für Barista und Original, 1,8 g/1,5 g Rapsöl/100 ml für Ungesüßt) sowie durch den Gehalt von 311 mg ALA (Barista und Original) ebenfalls als positiv zu bewerten. 2,9 g Canola-Rapsöl in den vly Produkten Barista und Original liefern bezogen auf den Gesamtfettanteil zwischen 15-30% LA sowie 5-14% ALA, was in min.-max. ~0,44-0,87 g LA und ~0,15-0,41 g/durchschnittlich 311 mg ALA resultiert. Durch dieses Verhältnis von ALA zu LA kommen diese Milchvarianten also auf eine gute Omega 3 zu Omega 6-Ratio von 1:2.(3) Das Fettspektrum bezogen auf die Omega 3 und- Omega 6-Fettsäuren in den vly Produkten ist also durchweg als neutral bis positiv zu bewerten und trägt mit Sicherheit nicht zu dem bevölkerungsweit grassierenden Missverhältnis der mehrfach ungesättigten Fettsäuren bei. Die weitere Inklusion von Leinöl wurde aufgrund des bis auf den Omega 3-Reichtum suboptimalen Fettsäurespektrums sowie des Geschmacks, von Algenöl aufgrund der nötigen Haltbarmachung mit Mikroverkapselung oder Beimengung von Rosmarinextrakt oder anderen Antioxidantien sowie ebenfalls aufgrund des Geschmacks nicht durchgeführt. Schlussendlich soll vly noch primär ein Lebensmittel und kein Nahrungsergänzungsmittel darstellen.

 

Thema: Erucasäure

Grundsätzlich ist Erucasäure in heutigem Raps enthalten, das ist richtig, allerdings handelt es sich um einen sehr geringen Gehalt. Sie befindet sich dagegen in deutlich höheren Mengen auch in anderen Kreuzblütlern (Brokkolisamenöl, v.a. Senfsaat), in Fischöl oder, als Hauptexpositionsquelle für Kinder, in Säuglingsnahrung.(4),(5) Auch in dem in vly Produkten verwendeten Canola-Rapsöl befindet sich in geringem Umfang Erucasäure. Dass jene jedoch ein gesundheitliches Problem darstellen könnte, ist sehr unwahrscheinlich. 
In den Produkten kommt ein Canolaöl zum Einsatz, welches einen Erucasäuregehalt von max. 2% aufweist, der allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich geringer ausfällt und rein aus rechtlichen Gründen so hoch angegeben werden muss.(3) Es ist richtig, dass die EFSA eine Warnung bezüglich Erucasäure und die Gesundheit von Kindern ausgesprochen hat, allerdings beinhaltet die zitierte Quelle bereits zahlreiche Limitationen, sodass die entsprechenden Forscher aus Sicherheitsgründen die für den Verzehr sichere Menge für Kinder bei 7 mg Erucasäure/kg Körpergewicht ansetzten, mit dem Vermerk, dass potentiell schädliche Wirkungen im Sinne von myokardialer Lipidose temporär und reversibel wären und andere abträgliche Effekte auf das Leber- oder Nierengewicht und die Skelettmuskulatur erst bei etwas höheren Dosen zu befürchten sind.(6) So heißt es in einem Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung:
‘Zur Ableitung eines gesundheitsbasierten Richtwerts („health-based guidance value“) wurde die Entstehung einer Lipidose als sensitivster Endpunkt herangezogen. Aus den Daten verschiedener Tierstudien wurde ein NOAEL („No Observed Adverse Effect Level“, höchste Dosis, bei der keine nachteiligen Wirkungen beobachtet wurden) für myokardiale Lipidose von 0,7 g Erucasäure/kg Körpergewicht (KG) und Tag ermittelt (EFSA 2016). Ausgehend von diesem NOAEL wurde unter Anwendung eines Sicherheitsfaktors von 100 ein TDI-Wert für Erucasäure von 7 mg/kg KG und Tag abgeleitet.(7)

 

Hierbei ist wichtig zu betonen, dass jene Erkenntnisse aus Tierversuchen stammen, somit die Übertragbarkeit auf Menschen schwierig ist und die gesundheitlichen Auswirkungen noch nicht abschließend geklärt. Zusätzlich wird deutlich, dass bereits ein Sicherheitsfaktor von 100 herangezogen wurde, um eine absolute Sicherheit des TDI-Wertes zu garantieren (wobei der NOAEL in Tierstudien also deutlich höher lag). Dann sollte betont werden, dass der Erucasäuregehalt aus den heutigen Rapsvarianten durch gezielte Züchtung (v.a. in den späten 1950ern und 1960ern in Kanada) drastisch reduziert wurde und dass Canolaöl der Sorte campestris mit unter 2% Erucasäuregehalt heutzutage fast die gesamte weltweite Ernte ausmacht.(8),(9) 

1970 wurde der Erucasäuregehalt bereits von 50%(!) auf 5% reduziert,(10) im Jahre 1997 wurde in der australischen Canolaernte ein durchschnittlicher Erucasäuregehalt von 0,3 oder weniger erreicht(11) und nach neueren Studien aus dem Jahre 2016 hat Canolaöl sogar durchschnittlich weniger als 0,1% Erucasäure.(12) Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass die in vly's Canolaöl enthaltene Erucasäure einen gesundheitsbedenklich relevanten Anteil ausmacht. 
Rechnet man nun mit Daten der EFSA (max. 7 mg Erucasäure/kg Körpergewicht je Kind) und verschiedenen Prozentangaben der Erucasäure, wird das deutlich. Gegeben sei ein Kind mit 6 kg Körpergewicht. Dies darf maximal 42 mg Erucasäure/Tag konsumieren. 
Bei 2% Erucasäuregehalt/100 ml Pflanzenmilch hätte man diesen Wert tatsächlich schon mit 58 mg und 16 mg Erucasäure übertroffen. Da dieser Wert allerdings ein Extremwert/Maximalwert darstellt, der aus rechtlichen Gründen abgedruckt sein muss und Studien aus dem Jahre 2016 bereits einen durchschnittlichen Erucasäuregehalt von unter 0,1% in Canolaöl zeigten, kämen hier auf 100 ml Pflanzenmilch gerade einmal unter 2,9 mg Erucasäure zusammen – ~7% des erlaubten Wertes für ein 6 Kilo schweres Kind.

 

Rechnet man mit konservativeren bzw. realistischeren Zahlen, bspw. mit 0,5% Erucasäure/Canolaöl, kämen 14,5 mg Erucasäure und 35% des erlaubten Wertes zusammen. In beiden realistischeren Szenarien bräuchte es also bei 0,1% respektive 0,5% Gehalt an Erucasäure über 1 l bzw. ~300 ml vly Pflanzenmilch Barista oder Classic, um potentiell gesundheitlich abträglich zu wirken. Es erscheint in unseren Augen unrealistisch, einem Kleinkind derartige Mengen zu verabreichen.

Zusammenfassend erscheinen in unseren Augen die Argumente, dass Rapsöl in vly Milchalternativen fördere Erkrankungen, aus Perspektive der Fettsäurenzusammensetzung und im Speziellen aufgrund des Erucasäuregehalts als nicht wissenschaftlich haltbar.

 

Quellen
(1) Rittenau, Niko. Vegan-Klischee ade! Wissenschaftliche Antworten auf kritische Fragen zur veganen Ernährung. Ventil Verlag UG, 2. Auflage 2018. S. 50-72.
(2) Lin, L., Allemekinders, H., Dansby, A. et al. Evidence of health benefits of canola oil. Wiley Nutrition Reviews. 2013 Jun; 71(6): 370–385. Published online 2013 May 2.
(3) Rechnungen durchgeführt anhand gängiger vly Milchalternativen und deren Zutaten und Inhaltsstoffen sowie internen Daten zur Fettkomposition des in vly Milchalternativen verwendeten Canolaöls.
(4) PlantFattyAcid database. Exploring Phylogenetic Relationships between Hundreds of Plant Fatty Acids Synthesized by Thousands of Plants. Online unter: https://plantfadb.org/fatty_acids/10152
(5) Falbe, J., Regitz, M.: RÖMPP Lexikon Chemie. Band 2: Cm–G, 10. Auflage, Thieme, 1997, ISBN 978-3-13-734710-1.
(6) European Food Safety Authority. Erucic acid a possible health risk for highly exposed children. Online unter: https://www.efsa.europa.eu/en/press/news/161109
(7) Bundesinstitut für Risikobewertung. Erucasäure: BfR befürwortet vorgeschlagene Höchstgehalte - jedoch sollten auch Lebensmittel mit zugesetzten Fetten begrenzt werden. Stellungnahme Nr. 044/2018 des BfR vom 20. Dezember 2018. Online unter:
(8) Fan, L., Eskin, M. Handbook of Antioxidants for Food Preservation. Woodhead Publishing Series in Food Science, Technology and Nutrition. 2015, Pages 373-388
(9) Eskin, M. Reference Module in Food Science. Encyclopedia of Food and Health. 2016, Pages 581-585
(10) Savva, S.C., Kafatos, A. Vegetable Oils: Dietary Importance. In: Encyclopedia of Food and Health, 2016.
(11) Food Standards Australia New Zealand (FSANZ). ERUCIC ACID IN FOOD: A Toxicological Review and Risk Assessment. TECHNICAL REPORT SERIES NO. 21. In: Food Standards Australia New Zealand, 2003. Online unter: https://www.foodstandards.gov.au/publications/documents/Erucic%20acid%20monograph.pdf
(12) Ghazani, S.M., Marangoni, A.G. NUTRITION AND FOOD GRAINS. Canola Oil. In: Encyclopedia of Food Grains (Second Edition), 2016.